Legalisierung von Cannabis in Deutschland sollte Weckruf für Ostbelgien sein

Vivant-Abge­ord­ne­ter Mer­tes for­dert ver­mehrt Maß­nah­men zur Prä­ven­ti­on an Schulen

Kein April­scherz: mit Wir­kung zum 1. April ist in Deutsch­land der Gebrauch und die Wei­ter­ga­be von Can­na­bis teil­wei­se lega­li­siert wor­den. „Dies stellt Poli­zei und Behör­den der Deutsch­spra­chi­gen Gemein­schaft Bel­gi­ens vor zusätz­li­che Her­aus­for­de­run­gen“, erklärt dazu Alain Mer­tes, Abge­ord­ne­ter von Vivant im Par­la­ment der Deutsch­spra­chi­gen Gemein­schaft (PDG). „Für die Bewäl­ti­gung des Dro­gen­pro­blems ist Auf­klä­rung ein wesent­li­cher Aspekt, und die soll­te in der Schu­le begin­nen.“ In die­sem Bereich gebe es mit der neu­en Gesetz­ge­bung des Nach­bar­lan­des umso mehr zu tun, so Mertes.

Wir haben Regie­rung und Par­la­ment bereits im ver­gan­ge­nen Jahr dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Dro­gen­han­del sogar im Schul­um­feld zuneh­mend blüht“, so Mer­tes. Kon­su­men­ten wer­den immer jün­ger, es wer­den immer mehr und die Anzahl süch­tig machen­der Sub­stan­zen und deren Stär­ke neh­men eben­falls wei­ter zu.“

Mit Ände­rung der Rechts­la­ge in Deutsch­land könn­ten sich die Pro­ble­me in der DG wei­ter ver­schär­fen, da Can­na­bis dort von Erwach­se­nen jetzt legal erwor­ben und kon­su­miert wer­den dür­fe. Aller­dings sei bei­des in Bel­gi­en wei­ter­hin ver­bo­ten. Jedoch wird die Zugäng­lich­keit zu Can­na­bis durch das neue Gesetz in Deutsch­land wei­ter ver­ein­facht. Es sind gera­de die Min­der­jäh­ri­gen, die wir vor Dro­gen beson­ders schüt­zen müs­sen, for­dert Mer­tes. Dies gel­te eben auch für Cannabis.

In Sankt Vith ist es bereits zu Mes­ser­ste­che­rei­en mit Todes­fol­ge gekom­men, die sich im Dro­gen­mi­lieu abspiel­ten“, erklärt Alain Mer­tes dazu. „Schü­ler aus dem 2. Sekun­dar­schul­jahr berich­ten, dass eine Viel­zahl von Dro­gen von Mit­schü­lern ange­bo­ten und in ihrem Umfeld auch regel­mä­ßig Dro­gen kon­su­miert wer­den. Ken­ner der Sze­ne ver­mu­ten, dass auf Jugend­bäl­len und Jugend­par­tys etwa zwei Drit­tel der Besu­cher ille­ga­le Dro­gen kon­su­mie­ren. Sie behaup­ten, dass die Poli­zei den Kampf gegen ille­ga­le Dro­gen längst ver­lo­ren habe und damit der Staat ins­ge­samt.“ Damit wer­de sich Vivant nicht zufriedengeben.

So sol­len die Schu­len in der DG zukünf­tig zu Akti­vi­tä­ten zur Sucht­prä­ven­ti­on, ins­be­son­de­re in Bezug auf All­tags- und Par­ty­dro­gen, ver­pflich­tet wer­den. „Die Arbeits­zeit, wel­che die Akteu­re auf­wen­den müs­sen, um die Schul­ver­ant­wort­li­chen zu über­zeu­gen, Akti­vi­tä­ten zur Prä­ven­ti­on auf­zu­neh­men, könn­te für die eigent­li­che Auf­klä­rung sinn­vol­ler genutzt wer­den.“ Zudem bedür­fe es hier­für ange­mes­se­ner finan­zi­el­ler und per­so­nel­ler Res­sour­cen. „Die Haus­halts­mit­tel, wel­che eine Regie­rung für die­sen Bereich ein­plant, spie­gelt die poli­ti­sche Bedeu­tung wider, die sie die­sem Bereich bei­misst. Hier ist in unse­ren Augen noch Luft nach oben.“

Für Vivant genie­ße Sucht­prä­ven­ti­on und Dro­gen­auf­klä­rung in Schu­len, aber auch für Eltern, höchs­te Prio­ri­tät, so Mer­tes, „weil uns Fami­li­en mit Kin­dern und Jugend­li­chen beson­ders am Her­zen lie­gen“. Ande­re Par­tei­en sähen dies offen­sicht­lich anders: so hat­te der sozia­lis­ti­sche Wirt­schafts- und Arbeits­mi­nis­ter Pierre-Yves Der­ma­gne (PS) kürz­lich vor­ge­schla­gen, den glei­chen Weg zu gehen wie sei­ne Par­tei­freun­de gemein­sam mit Libe­ra­len und Grü­nen in Deutsch­land: für den Föde­ral­mi­nis­ter mache die Ver­fol­gung von Can­na­bis-Delik­ten kei­nen Sinn mehr und bin­de zu vie­le Res­sour­cen bei Poli­zei und Jus­tiz. Viel­mehr schie­le er auf zusätz­li­che Ein­nah­men, die der Staat durch die Kon­trol­le von Pro­duk­ti­on und Ver­kauf von Can­na­bis gene­rie­ren kön­ne. Mer­tes: „Die Sozia­lis­ten wol­len den Staat zum Dea­ler machen. Vivant wird sich, anders als bei­spiels­wei­se ECOLO, die sich für eine Lega­li­sie­rung von Can­na­bis aus­spre­chen, vehe­ment dage­gen weh­ren.“ Mit einer Lega­li­sie­rung geht auch immer die Gefahr einer Ver­harm­lo­sung ein­her. “Wenn es erlaubt ist, kann es nicht so gefähr­lich sein.” könn­te dann die Sicht auf Can­na­bis sein. Dies ist für Vivant nicht der rich­ti­ge Weg, den zuneh­men­den Pro­ble­men in die­sem Bereich zu begeg­nen. Wir spre­chen uns nach wie vor deut­lich gegen eine Lega­li­sie­rung von Can­na­bis aus.

Für Vivant Ostbelgien

Micha­el Bal­ter, Dia­na Stiel und Alain Mertes